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Bindungsstörungen
Ein weiterer Faktor zur gestörten Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühles kann eine sogenannte Bindungsstörung sein. Viele Borderliner erlebten in ihrer Kindheit eine Situation, in der die Familie zwar ein sicherer Ort war, der aber gleichzeitig für sie eine Gefahr darstellte und Angst auslöste.
Meist ist das der Fall, wenn Kindern zu wenig Fürsorge und Aufmerksamkeit zuteil wird, wenn ihre Gefühle und Bedürfnisse nicht beachtet werden oder wenn die Eltern nicht verlässlich waren. Die Kinder verlieren auf Dauer das Vertrauen zu ihren Bezugspersonen und erlernen nicht, wie ein normales soziales Zusammenleben funktionieren kann. Sie gehen von sich aus auf Distanz und lassen niemanden nah an sich heran.
Eine Begriffserklkärung:
Durch die projektive Identifizierung wird der andere so beeinflusst, dass er sich in seinem Verhalten dem angleicht, was von ihm erwartet wird. Dabei wirkt die Projektion mit einem unbewusst manipulierenden interpersonellen Verhalten zusammen, das darauf ausgerichtet ist, die eigenen Erwartungen bestätigt zu finden. Abweichungen vom inneren Bild können zusätzlich durch selektive Aufmerksamkeit oder selektive Unaufmerksamkeit in der Wahrnehmung ausgeblendet werden oder per Leugnung bagatellisiert werden. Reicht das alles noch nicht aus, kann das interpersonelle Manipulieren hinzugenommen werden. Erst dann sind wir berechtigt, von projektiver Identifizierung zu sprechen. Der andere wird dem Bild, das man sich von ihm macht, real angepasst. Ein Verhalten wird hervorgerufen, das auf bestimmte Gefühle und Einstellungen schließen lässt. Das geschieht durch Provokation, wenn man aggressives Verhalten erwartet oder durch Verführung, wenn besondere Sympathiebeweise erwartet werden.
Projektive Identifizierung ist häufig und sehr auffällig bei Menschen mit Frühstörungen. Dies hängt damit zusammen, dass früh gestörte Menschen einen sehr unreifen, archaischen Charakter haben und deshalb starke manipulative Mittel eingesetzt werden müssen, um die Außenperson zu einem Verhalten zu bringen, das der Erwartung des projektiv Identifizierenden entspricht. Wenn jemand seine inneren Objekte in gut und böse aufspaltet und die Menschen in seiner Außenwelt nach diesen Modellen verändern möchte, kann er eine solche Veränderung nur durch massives Handel bewirken - beim erwarteten bösen Verhalten eben durch massive Provokationen. Diese Provokationen sind als solche leicht erkennbar. Für den projektiv Identifizierten ist ein solches Verhalten in der Regel persönlichkeitsfremd.
Durch Projektion vermindert man Konflikte, die man mit sich selber hat. Das Bild von sich selbst bleibt übersichtlich und widerspruchsfrei. Die Wahrnehmung anderer wird jedoch verzerrt. Da man Impulse, die man nicht wahrhaben will, als "schlecht" bezeichnet, führt Projektion regelhaft zur Herabsetzung anderer...und damit zu Feindseligkeit.
Die Projektive Identifikation wird erkennbar, wenn der andere das gewünschte Verhalten nicht zeigt. Da sich die projezierende Person dann in ihrer Identität bedroht fühlt, reagiert sie mit Wut oder Verzweiflung.
Typisch ist, dass die projezierende Person versucht, das erwartete Verhalten beim anderen zu bewirken. Entweder übt sie unmittelbaren Druck aus oder sie verhält sich so, dass ihr Verhalten genau jene Gefühle und Impulse im anderen auslöst, die das erwartete Verhalten anstoßen.
Nicht immer handelt es sich beim erwarteten Verhalten um positive Zuwendung. Auch der Impuls, sich zu kritisieren, zu verachten oder herabzusetzen, kann bei sich selbst verleugnet, dem Gegenüber zugeordnet und schließlich durch ein entsprechendes Verhalten provoziert werden.
Zum Verständnis der Projektiven Identifikation macht es Sinn, sich die Situation eines Säuglings vor Augen zu halten. Ein Säugling ist allein auf sich gestellt nicht lebensfähig. Seine Existenz setzt die Übernahme wesentlicher Fürsorgefunktionen durch die Mutter voraus. Der Säugling vereinnahmt somit Funktionen, die der Entscheidungshoheit einer anderen Person zugeordnet sind. Man geht davon aus, dass sein Bewusstsein den Hunger und die nährende Brust der Mutter noch nicht zwei unterschiedlichen personalen Einheiten zuordnet. Der Säugling unterscheidet nicht zwischen Ich und Du.
Die Projektive Identifikation gehört zum normalen Funktionsmodus des vorsprachlichen Bewusstseins. Je mehr sie bis ins Erwachsenenalter überdauert, desto problematischer wird sie. Keinesfalls ist ihr Gebrauch auf Menschen mit Borderline-Störung beschränkt. Sie ist eine wichtige Grundlage jedweder persönlichen Unreife.
Mit dem Auskeimen des Ich-Bewusstseins in der Frühkindheit beginnt er, diese Unterscheidung mehr und mehr zu treffen. Es ist jedoch keinesfalls die Regel, dass das Bewusstsein des Erwachsenen die Unterscheidung zwischen sich selbst und dem Anderen auf allen Ebenen vollständig vollzogen hat. Ohne sich dessen bewusst zu sein, neigt auch der normale Erwachsene dazu, die Erfüllung eigener psychischer Belange von anderen zu erwarten.
Die Aufgabe zur Erfüllung des Belangs wird auf den Anderen projeziert und gleichzeitig wird die ausgelagerte Funktion der eigenen Identität zugeordnet. Das Ich identifiziert sich mit einer bestimmten Funktion des Du.
Der Begriff der projektiven Identifikation (oder auch projektiven Identifizierung) stammt von der Psychoanalytikerin Melanie Klein. Es handelt sich hierbei um einen unbewussten Abwehrmechanismus von Konflikten, bei dem Teile des Selbst abgespalten und auf eine andere Person projiziert werden. Diese Person wird dann unbewusst als Teil des eigenen Selbst empfunden.
Der Begriff wurde von Otto Kernberg im Zusammenhang mit seinen Arbeiten zur Borderline-Persönlichkeitsstörung weiterentwickelt. Borderline-Patienten neigen besonders dazu, den Therapeuten in ihre psychische Konfliktkonstellation mit einzubeziehen. Aus diesem Grund erzeugen Borderline-Patienten beim Therapeuten häufig heftigere Gegenübertragungsgefühle als Patienten mit anderen psychischen Störungen.
Man kann die projektive Identifikation von der Gegenübertragung abgrenzen: Während bei der ersten der Fokus auf den Patienten gelegt wird, betont die letztere die unbewussten psychischen Prozesse des Therapeuten. Dem Patienten kommt bei der Gegenübertragung die Rolle des Auslösers für die Aktualisierung unbewältigter Konflikte in der Person des Therapeuten zu.
In der therapeutischen Praxis ist diese Unterscheidung jedoch häufig künstlich, da hier Projektive Identifikation und Gegenübertragung eng miteinander verbunden sind. Patienten werden ihre Tendenzen zur projektiven Identifikation besonders bei Therapeuten unbewusst zur eigenen Entlastung einsetzen, welche aufgrund intensiver Gegenübertragungsgefühle auf den Patienten stark reagieren. Therapeuten wiederum reagieren meist intensiver mit Gegenübertragungen auf Patienten, die sie in ihre Konfliktkonstellation mit einbeziehen
Andere Personen werden durch Manipulation dazu gebracht, sich so zu fühlen, wie man sich selbst fühlt
Die projektive Identifizierung ist neben der Spaltung der charakteristische Abwehrmechanismus beim Borderline-Patienten. Projektion bedeutet, daß man Gefühle und Phantasien, die man in sich selber ablehnt, nach außen verlagert und in eine andere Person lokalisiert, so daß man dem anderen unterstellt, daß er die Gefühle, Gedanken und Phantasien habe, die man in sich selber ablehnt. Reifere Form der Projektion ist ein stabiler Abwehrmechanismus, in dem die endgültige Externalisierung der unerträglichen Vorstellung gelingt.
Bei der projektiven Identifizierung kann man drei Schritte unterscheiden:
•Die Aggression wird nach außen projiziert.
•Die Person, auf die man diese Aggression projiziert, wird als bedrohlich, verfolgend und vergeltungssüchtig erlebt. Dadurch, daß die Ich-Grenzen mangelhaft ausgebildet sind und man schlecht zwischen sich und den anderen Menschen unterscheiden kann, identifiziert man sich mit der Aggression, die man in den anderen hineinprojiziert hat und fühlt sich daher bedroht.
•Daher muß der andere „Ständig kontrolliert“, „Beherrscht“, „Präventiv angegriffen werden“, bevor der andere einen selber angreift.
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Als Spaltung oder Spaltungsabwehr bezeichnet man einen speziellen psychischen Abwehrmechanismus, der in einer Reaktivierung eines frühkindlichen psychischen Zustands besteht, in welchem das Individuum noch keine Integration der positiven und negativen Aspekte des eigenen Selbst und der es umgebenden Objekte entwickelt hat.
Die Spaltungsabwehr sorgt in spezifischen Belastungs- oder Konfliktsituationen dafür, dass unerträgliche Vorstellungen vom Selbst oder den Objekten auseinander gehalten werden, mit dem Ergebnis, dass das Selbst bzw. die Objekte als entweder „nur gut“ oder „nur böse“ wahrgenommen werden. Anstatt beispielsweise ablehnende Gefühle einer eigentlich geliebten Person gegenüber zu empfinden (was z.B. aufgrund eines nicht überwundenen frühkindlichen Traumas eine spezifische Belastung darstellen kann), wird das Bild dieser Person in einen „guten“ und einen „bösen“ Anteil gespalten. Diese Spaltung schützt den „guten“ Objektanteil vor den eigenen Aggressionen, welche im nächsten Moment dem "bösen" Objektanteil gegenüber gefahrlos und exzessiv ausgelebt oder zumindest projektiv zugeschrieben werden können. Außerdem schützt die Spaltungsabwehr die positiven Selbstaspekte vor überwältigenden negativen Vorstellungen vom Selbst, bis diese an anderer Stelle in ungeschönter Weise, in Form von Selbstzweifeln und Selbsthass bis hin zu selbstverletzendem Verhalten zum Ausdruck kommen.
Die Spaltung ist also ein ungünstiger Kompromiss, in dem das Ich gezwungen ist, fortwährend zwischen zwei affektiven Zuständen hin und her zu oszillieren, ohne dass es deren unterschiedliche Tönungen synchron wahrnehmen könnte. Dieser Mechanismus wird durch andere unreife Abwehrmechanismen, wie die Verleugnung, die Projektion, die Entwertung und Idealisierung oder die Projektive Identifikation unterstützt. Bei Personen, deren bevorzugter Abwehrmechanismus die Spaltung ist, wechseln die Gefühlszustände dementsprechend auffällig abrupt ab. Eben noch geliebte Objekte werden nun plötzlich gehasst, Traurigkeit schlägt spontan in Freude um, Vertrauen wird scheinbar unvermittelt von Misstrauen abgelöst und heftige Ängste zerstören gerade gefasste Zuversicht. All dies ist begründet auf der folgenreichen Unfähigkeit, Ambivalenz zu ertragen.
Die Überwindung des Entwicklungsstadiums eines vornehmlichen Gebrauchs der Spaltungsabwehr in der frühen Kindheit ist mit dem Erlangen der Fähigkeit gleichbedeutend, Gutes im Bösen zu erkennen sowie die negative Seite alles Guten zu akzeptieren. Folge einer pathologischen Fixierung auf den primitiven Mechanismus der Spaltung sind die Aufrechterhaltung verzerrter und unrealistischer Vorstellungen vom eigenen Selbstbild sowie der Objektwelt und den Beziehungsrepräsentanzen. Klinisch spricht man hierbei bisweilen von „Privatlogik“ oder "vermindertem Realitätsbezug".
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Borderline-Patienten erliegen ja manchmal falschen Gedanken und Gefühlen. Damit dies korrigiert werden kann, sollte ein Borderline-Patient sich folgende Fähigkeiten aneignen:
Erlernen sich selbst zu achten
Zu erlernen, auch mal "Nein" sagen zu können
Zu erlernen, um etwas bitten zu können
Zu erlernen, eine Situation zu beschreiben, ohne sie zu bewerten
Zu erlernen, eigene Wünsche vernünftig durchzusetzen
Angriffe von außen zu tolerieren bzw. zu akzeptieren
Zu verhandeln
Zu erlernen, eine freundliche Stimmung beizubehalten, auch wenn man in einer schwierigen Situation ist
Zu erlernen, nicht zu drohen
Nicht zu bewerten
Etwas anzuerkennen und zu akzeptieren, auch wenn es der eigenen Meinung widerspricht
Erlernen, fair zu sein und fair zu bleiben
Sich nicht immer zu rechtfertigen
Eigene Werte schaffen, was ist für mich richtig, wie will ich leben, wie will ich sein
Ehrlichkeit
Sich mit seinem Partner auf Augenhöhe unterhalten, nicht unterwerfen oder bevormunden
Zu erlernen, Gefühle ansprechen und auch auszusprechen
Nicht zu verallgemeinern
Falsche Grundannahmen zu beseitigen
Sich selbst nicht schlecht zu machen
Eigene Rechte zu verstehen, aber auch Rechte anderer zu verstehen und zu achten
Die eigenen Gefühle zu beschreiben
Leid auch loslassen zu können, sich nicht ergeben
Sich nicht den eigenen Gefühlen auszuliefern, sondern sie zu steuern
Sich auch an positive Gefühle zu erinnern, nicht nur an negative
Wiedergutmachung - Fehler bekennen und sich zu entschuldigen - Auch mal um Verzeihung zu bitten
Negatives nicht überzubewerten
Stress zu vermeiden
Gefühlslage verbessern zu lernen
Positive Erfahrungen herzustellen, etwas malen, etwas zu erledigen, was schon lange anliegt usw.
Zu erlernen, Hilfe anzunehmen
Zu erlernen, abzuwägen und dann zu entscheiden, die typische Impulsivität im Zaum halten
In schwierigen Situationen ablenken durch Basteln, Malen, Kino, Theater, Bügeln, Briefe schreiben, Wäsche waschen, Sport, Kochen usw.
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Ursachen des Borderline-Syndroms
Die Krankheit Borderline-Störung ist eine Persönlichkeitsstörung.
Schon das Wort Persönlichkeitsstörung beinhaltet, daß es auch eine gesunde Persönlichkeit gibt. Die Persönlichkeit, also das, was eine Person ausmacht, wird von vielen Faktoren bestimmt.
Die Entwicklung der Persönlichkeit beginnt mit der Geburt, mittlerweile geht man sogar davon aus, daß sich die Persönlichkeit bereits im Mutterleib entwickelt.
Die Persönlichkeit entwickelt sich durch genetische Faktoren und auch durch Erfahrungen, die wir machen. Zudem ist es wichtig, wie gemachte Erfahrungen verarbeitet werden. Denn erst verarbeitete Erfahrungen werden zum Teil der eigenen Persönlichkeit und formen sie. Die Persönlichkeit entsteht also aus einem Zusammenspiel von Erfahrungen, der Veranlagung und der psychischen Verarbeitung des Erfahrenen.
Ist die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit starken Störungen unterworfen, so kann eine Persönlichkeitsstörung die Folge sein. Das bedeutet zum Beispiel, daß belastende Ereignisse gepaart mit einer ungünstigen Veranlagung dazu führen können, daß sich eine negative Entwicklung der Persönlichkeit bildet. Im Falle von Borderline leidet der Patient dann neben seiner Umwelt auch an sich selbst. Die Folgen davon sind ja bekannt.
Interessant ist es natürlich zu wissen, wie die Persönlichkeitsstörung bei jedem einzelnen Patienten entstanden ist und was die Ursachen waren.
Zu Ernüchterung muss man jedoch anführen, daß die Wissenschaft heute noch ziemlich unwissend ist, was diese Ursachen genau sind und welche Ursachen welche Ausprägungen der Krankheit bewirken. So gibt es keine eindeutigen typischen Symptome, die eine Borderline-Erkrankung auslösen. Einig ist man sich alleine darüber, daß viele Faktoren zusammenspielen müssen, damit eine Borderline-Störung entsteht.
Zu diesen Faktoren zählt zum einen das genetisch bedingte Temperament, das für jeden Menschen typisch ist. Dazu kommen Umweltfaktoren, also zum Beispiel Erfahrungen und Traumata, sowie neurologische oder biochemische Störungen.
Forscher gehen davon aus, daß drei Faktoren erfüllt sein müssen, damit eine Borderline-Störung entsteht:
Diese Faktoren sind:
Ein Umweltfaktor: Traumata in der Kindheit
Genetischer Faktor: Das Temperament
Wechselwirkung zwischen den ersten beiden Faktoren
Zu verstehen ist das dann so: Hat ein Mensch ein oder mehrere Traumata erleben müssen und ist sein durch seine Gene vorprogrammiertes Temperament so geschaffen, daß er diese Traumata nicht verarbeiten kann, so kann er an einer Borderline-Störung erkranken. Wie gesagt, kann, nicht muß.
Umweltfaktoren
Festgelegt wurden drei Typen von Umweltfaktoren, besser gesagt Traumata.
Typ I
Unglückliche Erfahrungen in der Kindheit. Diese Erfahrungen sind zum Beispiel eine Trennung oder Scheidung der Eltern, Eltern, die sich nicht in das Kind einfühlen können usw. Dieses Trauma wird zwar als störend empfunden, kann aber durch liebevollen Umgang mit dem Kinde wieder korrigiert werden.
Typ II
Verbale und emotionale Misshandlungen
Diese können verbal oder emotional stattfinden. Dazu gehört das andauernde Vernachlässigen des Kindes, ständiges Schimpfen oder Runtermachen oder auch eine Einschränkung durch psychische Erkrankungen der Eltern.
Typ III
Körperliche Misshandlungen
Dazu gehört sexueller Missbrauch oder auch Schlagen des Kindes. Aber auch andauernde psychische Erkrankungen oder Drogenprobleme der Eltern können ein solches Trauma auslösen. Das Familienleben ist nachhaltig gestört. Es wird keine Unterstützung den Kindern geboten, es herrscht Kritik oder Desinteresse.
Tatsächlich haben viele Borderliner wenigstens eines dieser Traumata erfahren, manche auch mehrere.
Aus vielen Untersuchungen weiß man, daß Borderliner eine schwere Kindheit hinter sich haben. Viele Borderline-Patienten haben in ihrer Kindheit Misshandlungen oder einen Missbrauch erlebt.
Dies ist auf den ersten Blick auch die schlüssigste Ursache für diese Erkrankung. Kinder oder Jugendliche haben eine so tiefgreifende Störung in ihre Psyche erlebt, daß sie dadurch einen bleibenden Schaden genommen haben.
Zu diesen Traumata gehören
Todesangst
extreme Hilflosigkeit
extreme Angst
dazu die Unfähigkeit, das Erlebte zu verarbeiten
Es hat sich herausgestellt, daß viele Patienten als Kind tatsächlich körperlich oder seelisch misshandelt oder sexuell missbraucht wurden.
Bis zu 70% haben einen sexuellen Missbrauch erlebt, bis zu 50% mussten körperliche Gewalt ertragen. Bei 50% der sexuell Missbrauchten geschah dieser Missbrauch durch Mitglieder der Familie, oft über Monate oder Jahre. Bei Frauen geschah dies meist vor dem 12. Lebensjahr.
Bei circa 80% der Borderliner war die Kindheit von einer emotionalen Vernachlässigung bestimmt.
Genauer untersucht wurden u. a. fünf Faktoren, die immer wieder im Zusammenhang mit Borderline auftauchen:
Trennung oder Scheidung - Verlust eines Elternteils
gestörtes Verhältnis zu den Eltern
Missbrauch oder Misshandlung
genetische Veranlagung zu psychischen Erkrankungen
Frühe Störungen
Trennung oder Scheidung - Verlust eines Elternteils
In Untersuchungen fand man heraus, daß sich bei vielen Borderline-Patienten eine Trennung von einem Elternteil während der ersten Lebensjahre ereignet hat.
mehr...
Gestörtes Verhältnis zu den Eltern
Viele Borderliner berichteten von einer gestörten Beziehung zu einem Elternteil oder beiden Eltern.
weiter...
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Gliederung Borderline
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Fakten
2.2. Paardynamik
2.3. Zentrale Probleme
2.4. Dauerbeziehung von Borderline-Persönlichkeiten
2.5. Besonderheiten der Paartherapie
2.6. Einblick in Paartherapie mit „Borderline-Persönlichkeiten“
2.7. Medikamente
2.8. Borderline-Persönlickeiten und eigene Kinder
2.9. Beziehungsprobleme in Foren diskutiert
2.10. Trennung von einer Borderline-Persönlichkeit
2.10.1. Zu beachtende Aspekte bei der Trennung
2.10.2. Leitfaden
2.10.3. Probleme nach der Trennung
3. Fazit
1.Einleitung
Wenn die Beziehung zwischen zwei Menschen geprägt ist durch intensive Bezogenheit, tiefe emotionale Abhängigkeit und gesteigerte Verletzbarkeit, bezeichnet man diese Beziehung als Liebesbeziehung oder Partnerschaft. Sie umfasst starke positive Gefühle ebenso wie die erotische Anziehung. Beim Fehlen einer solchen Beziehung sehnt man sich danach. Der Partner gibt emotionale Nähe, die sich durch Ruhe, Wärme, Geborgenheit und Sicherheit auszeichnet, von Bischof wurde er als „Individuum mit Heimcharakter“ bezeichnet.
Im Gegensatz zu erotischen Affären, stehen bei der Liebesbeziehung die Fürsorglichkeit und die Vertrautheit im Vordergrund, bei Affären geht es dagegen vorwiegend um Lust an Geselligkeit und Sexualität. Zu viel Vertrautheit führt jedoch zu Überdruss und Langeweile, ein gewisses Maß an Fremdheit erhält Spannung und Neugier auch in langjährigen Partnerschaften. Sicherheit wird durch die richtige Kombination aus Vertrautheit und Familiarität geboten. Sind diese Vorraussetzungen erfüllt kann man sich in der Beziehung gemeinsam weiterentwickeln.
Borderline-Persönlichkeiten leben seltener in stabilen zwischenmenschlichen Beziehungen. Laut Stone nur etwa halb so oft, wie nach demografischen Durchschnittswerten zu erwarten wäre. Die Persönlichkeitsorganisation von Borderlinern verträgt sich nur schwer mit längerfristigen Bindungen. Dazu zählen die Eigenschaften heftige unintegrierbare Affekte, Impulsivität und Unberechenbarkeit, die sich durch abrupte Wechsel in der Stimmung und der Situationseinschätzung äußern.
2.1. Fakten
Wieviel Prozent der Allgemeinbevölkerung unter der Borderline-Persönlichkeitsstörung leiden ist umstritten. Laut DSM IV sind es ca. 2%, glaubt man Kernberg sind es um die 15% der Gesamtpopulation. 75% aller Personen, bei denen diese Störung diagnostiziert wird sind Frauen. Jerschke fand 1998 heraus, dass die Suizidrate mit 5-10% ziemlich hoch ist, ebenso die Selbstverletzungsrate mit 69-80%.
Die durchschnittliche Beziehung von Borderline-Persönlichkeiten dauert 12-16 Monate, wobei es jedoch auch erhebliche Abweichungen geben kann. Bei 30,7% der Borderline-Patienten treten sexuelle Probleme auf, in der Gesamtpopulation sind nur 4,3% betroffen. Auch stürmische Beziehungen sind mit 50% unter den Borderline-Persönlichkeiten im Gegensatz zur Allgemeinbevölkerung mit 29,9% überdurchschnittlich oft vertreten.
2.2. Paardynamik
Der Verlauf von Partnerschaften mit Borderlinern ist immer ähnlich. Die Anfangsphase wird sehr intensiv erlebt und von gegenseitiger Idealisierung dominiert. Doch sobald der Alltag beginnt scheitert die Beziehung. Es gibt Probleme beim Abstimmen gemeinsamer Aktivitäten, bei der Rücksichtnahme auf individuelle Verpflichtungen und Wünsche. Sie sehen ihren Partner nun mit anderen Augen und erkennen, dass sie nicht harmonieren. Diese „Ent-Täuschung“ verursacht oft eine schwere Krise, die Beziehung kippt von sehr gut zu sehr schlecht und es kommt zum Bruch mit dem entwerteten Partner.
In der Praxis gibt es viele Fälle, die die Sehnsucht der Borderliner nach dem guten Objekt sowie die Vernichtungsangst bei Überhandnehmen der Phantasien eines bösen Objektes widerspiegeln, ein Bsp. von Kottje-Birnbacher:
Herr und Frau A. gehen nach 11 Monaten Ehe in die Paartherapie. Er ist 45 Jahre alt, sie 35, beide sind beruflich erfolgreich und haben ein sehr attraktives Äußeres. Die Beiden haben sich 2 Jahre zuvor kennen gelernt und heftig ineinander verliebt. Jeder dachte seinen absoluten Traumpartner gefunden zu haben. Nach 1 Jahr haben sie geheiratet, Frau A. wurde schwanger, kündigte ihren Beruf und zog in die Heimatstadt von Herrn A.
Diese Anfangsphase ist typisch für Borderline-Patienten, sie stürzen sich voller Begeisterung in die Beziehung und idealisieren ihren Partner. Dadurch überfordern sie sich emotional sowie physisch. Sie sind von inneren Phantasien besessen, ohne darüber nachzudenken, ob diese realisierbar sind oder nicht.
Frau A. fühlt sich erschöpft und mit Beruf, Kind und Haushalt überlastet. Von ihrem Mann fühlt sie sich ungeliebt und allein gelassen. Herr A. ist enttäuscht, da seine ehemals fröhliche und belastbare Frau nun müde und unzufrieden ist. Außerdem fährt sie ihn oft wütend an, was Herr A. als bedrohlich und verächtlich empfindet. Er schläft nicht mehr mit seiner Frau und isst selten zu Hause, wenn er es doch tut, dann meidet er alles, was seine Frau gekocht hat. Beide sind am Ende ihrer Belastbarkeit, Frau A. leidet unter ständigen Infekten und Herr A. an nervösen Darmbeschwerden. Sie fürchten, dass sie an ihrer Beziehung zu Grunde gehen.
Dieser Verlauf ist typisch bei Borderline-Persönlichkeiten. In der Anfangsphase existieren Phantasien vom guten Objekt, diese steuern die Wahrnehmungsselektion und –interpretation. Nach dieser Phase dominieren Vernichtungsphantasien das Erleben und Verhalten. Herr A. leidet unter paranoider Angst von seiner Frau vergiftet zu werden und Frau A. befürchtet von ihrem Partner bis zum Zusammenbruch ausgebeutet zu werden. Die Enttäuschungseffekten auf beiden Seiten sind so stark, dass die Desintegration des Ich nur durch Spaltung und Projektion der eigenen Aggressionen nach außen verhindert werden kann.
Dabei ist die Idealisierung am Beginn der Beziehung genauso realitätsfremd, wie die heftige Verdammung am Ende.
2.3. Zentrale Probleme
Das zentrale Problem bei Beziehungen von Borderline-Persönlichkeiten ist der Widerspruch zwischen der intensiven Sehnsucht nach einem guten Objekt und der Angst vor Enttäuschung und Wut.
Es gibt verschieden Wege um mit diesem Problem umzugehen. So fand beispielsweise Lemaire 1980 heraus, das Borderliner, die das Umschlagen von liebevollen Gefühlen in Wut, Hass und Angst erlebt haben, sich oft dafür entscheiden, sich nicht noch einmal auf eine so intensive Beziehung einzulassen, um sich zu schützen. Dies kann durch einen radikalen Rückzug geschehen. Beziehungssehnsüchte werden verdrängt und die Konzentration wird auf materiellen und sinnlichen Genuss oder berufliche Machtpositionen gelenkt. Auf diese Weise können die Borderliner andere Personen von sich abhängig machen und über sie verfügen. Kurzfristige Gelegenheitsbeziehungen sind möglich, solang der Borderliner sie genießt und sich zurückzieht bevor die Gefühle zu intensiv werden. Diese Eroberungen sind das einzige Ventil für die nicht vollständig unterdrückbaren Beziehungssehnsüchte.
Es gibt auch einen weniger radikalen Weg, bei dem die Borderline-Persönlichkeiten eine längerfristige Beziehung eingehen, aber die Zeit, die sie mit dem Partner verbringen, dosieren. Dies geschieht z.B. in Wochenendbeziehungen, in denen man nur die positiven Seiten der Partnerschaft pflegt, in Beziehungen mit mehreren Partnern parallel, weil dort die Bezogenheit auf einen bestimmten Partner reduziert ist, in Partnerschaften mit hilfsbedürftigen Personen, da man sich dort als guter Mensch wahrnimmt und in Beziehungen in denen man nicht in den anderen verliebt ist. Die Partner in diesen Beziehungen sind emotional ungefährlich, die Bindung wird als stabil und gemäßigt unzufrieden empfunden. Diese Partnerschaften verlaufen nach dem Prinzip der emotionalen Dosierung, vom Partner wird weniger erhofft und man selber ist weniger verletzbar.
2.4. Dauerbeziehungen von Borderline-Persönlichkeiten
Die Symptome der Borderline-Persönlichkeiten wirken sich vor allem negativ auf den Austausch miteinander aus. Dieser ist in wesentlichen Aspekten reduziert, beispielsweise findet keine Sexualität statt, es gibt Heimlichkeiten wie Außenbeziehungen und Zweifel bzgl. einer gemeinsamen Zukunft, unterschiedliche Hobbys oder extrem viel Arbeit. Dies setzt eine starke Abgrenzung gegenüber dem Partner voraus, um die eigene Autonomie vor dem Zugriff des phantatisiertem bösen Objektes zu schützen. In der Therapie berichten viele von der Angst vom Partner auf existentieller Ebene bestimmt, manipuliert, beeinflusst oder unterdrückt zu werden.
Die Angst vor dem bösen Objekt wird durch Distanzierung minimiert, d.h. das man nur selten den Kontakt mit dem Partner sucht, dafür laufen diese in der Regel freundlich ab. Wenn man als Außenstehender diese Distanzierungsmanöver beobachtet, kommt man schnell zu dem Schluss, dass die Beziehung den Partnern nicht viel bedeutet und fragt sich, wieso das Paar überhaupt zusammen ist. Besonders unverständlich ist es, dass bei einer Trennung beide Partner massiv leiden, erst dann wird die basale, symbiotische Bindung sichtbar (Kottje-Birnbacher, 2000):
Ein Steuerberater verliebt sich nach 15 Jahren Ehe in eine andere. Er ist 45 Jahre alt und die Beziehung zu seiner Frau wirkte emotional recht dünn. Die beiden haben gemeinsame Kinder aufgezogen und arbeiten auch zusammen. Bei seiner Geliebten spürt der Mann intensivere Gefühle und möchte sich von seiner Frau trennen. Diese drohte jedoch mit Suizid, um ihren Mann an sich zu binden. Der Mann suchte Hilfe bei einem Therapeuten, dieser riet ihm, seine Frau zu verlassen oder eine Kompromisslösung zu finden. Die Frau war damit nicht einverstanden und setzte ihn massiv unter Druck, um ihn für sich allein zu haben. Durch Schuldgefühle und innere Spannungen fing der Mann an zu trinken und behielt beide Beziehungen bei, da er keine der Frauen verlassen konnte. Alle Beteiligten fühlten sich hilflos und elend. Ein zweiter Therapeut empfahl dem Patienten sich sofort und konsequent von seiner Frau zu trennen. Doch dazu war er nicht in der Lage, er blieb bei seiner Frau und sein Alkoholkonsum stieg an.
Diese intensive symbiotische Beziehung zum Partner ist Resultat der Abhängigkeit zu den emotional instabilen Eltern in der Kindheit der Borderline-Persönlichkeiten. Die Eltern die Sicherheit gaben, waren gleichzeitig auch für Gefühle wie intensive Angst verantwortlich. Da das Bedürfnis nach Sicherheit besonders in Angst einflößenden Situationen hoch ist (Bischof 1985), entwickeln die geängstigten Kinder eine intensive Bindung an das ambivalent besetzte Objekt. Diese wird später dann auf den Partner übertragen. Durch die Kindheit festigt sich bei den Patienten eine basale Schreckhaftigkeit und Vulnerabilität, diese werden durch das gute Objekt kompensiert, solang der Partner verfügbar ist. Bei Bedrohung der Beziehung schlagen sie in existentielle Angst um. Es ist wichtig, dass der Therapeut diesen Aspekt bei der Paartherapie berücksichtigt.
Ein weiteres Merkmal bei Paarbeziehungen von Borderline-Persönlichkeiten ist die Regelmäßigkeit, mit der projektive Identifizierungen stattfinden. Das bedeutet, dass die intrapsychischen Konflikte jedes Partners interpersonell, also innerhalb der Beziehung, ausgetragen werden. Die führt zur inneren Konfliktentlastung. Je konflikthafter eine Partnerschaft belastet ist, desto höher ist der Wert des Partners, denn er schützt die eigene intrapsychische Toleranzgrenze. Für diesen Aspekt gibt es eine Reihe von Alltagsbeispielen: ein verschwenderischer Mann lebt zusammen mit seiner sehr sparsamen Frau, diese beschwert sich über die Verschwendungssucht ihres Mannes, genießt aber gleichzeitig den Luxus des Mannes mit, von Zeit zu Zeit schränkt sie ihn ein, um ihn vor einer Verschuldung zu bewahren; ein ehrgeiziger, beruflich erfolgreicher Mann ist liiert mit einer Frau, die sich hauptsächlich für Psychogruppen und Yoga interessiert, die Aufteilung zwischen Arbeit und Freizeit ist ungleich, jeder erlebt den Teil für den Partner mit, der ihm leichter fällt; ein dominanter Mann ist mit einer ängstlichen Frau verheiratet, die Frau versteckt sich hinter dem Mann und durchlebt die nach außen hin nicht sichtbaren Selbstzweifel des Mannes.
„Agieren“ ist eine wichtige Form der Kommunikation und des Austauschs mit der Umwelt (Rhode-Dachser, 1979). Es beschreibt das handlungsmäßige Inszenieren innerseelischer Konflikte. Für die emotionale Balance der Partner sowie der Beziehung sind gemeinsame interaktionelle Abwehrprozesse mindestens genauso wichtig, wie individuelle intrapsychische. Mit Hilfe der Abwehrprozesse wird die Funktionsfähigkeit des Ichs und der Beziehung gewährleistet.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Borderliner in Beziehungen eine enge symbiotische Bindung zu ihrem Partner eingehen. Trotz massiver, wechselhafter Affekte, der Angst den anderen zu verletzen und selbst verletzt zu werden und die Eigenschaft negative Affekte abzuspalten und auf den Partner zu übertragen, finden Borderline-Patienten verschiedene Wege um langfristige Beziehungen zu ermöglichen. Die bedeutendsten Hilfsmechanismen sind dabei Verleugnung, Verschiebung, Reaktionsbildung, Dosierung der Nähe durch zeitliche oder emotionale Distanz, Projektion und projektive Identifizierung. Solang die Beziehung ausgeglichen ist hat sie einen starken stabilisierenden Effekt, in ihr wird ein Lebensraum gestaltet, in dem Spiegelung und Beruhigung möglich sind. Kommt es jedoch zu einem Ungleichgewicht oder gar einer Trennung verursacht dies dramatische, oft depressiv-objektlose Zusammenbrüche(Sachsse, 1994).
2.5. Besonderheiten der Paartherapie
Für die Paartherapie von Borderline-Patienten ist es wichtig, dass man einen systematischen Ansatz hat. Dieser sollte die Betrachtung der Ebene des Individuums, der Paarbeziehung, der Familie und des Arbeitskontextes ermöglichen.
Das Hauptproblem ist der Umgang mit den unkontrollierten Affekten, sowohl auf der Seite des Patienten als auch auf der des Therapeuten. Die Affekte des Patienten können in belastenden Situationen eskalieren, dadurch werden primitive Abwehmechanismen ausgelöst und das psychische Funktionsniveau reduziert sich aufs Grundstörungsniveau. In diesem Zustand ist der Patient nur schwer ansprechbar. Ebenfalls besteht die Gefahr, dass der Therapeut durch Agieren, Übertragung und projektive Identifizierung in heftige Affekte verwickelt wird. Um Affektüberflutungen zu vermeiden muss der Therapeut bestimmte Eigenschaften besitzen: Er muss Schutz durch eine qualitative therapeutische Beziehung gewähren. Dieser beinhaltet Verständnis für die Gefühle und Wünsche der Patienten, und jeder der Partner muss die Gelegenheit haben seine Situation zu schildern. Auf diese Art signalisiert der Therapeut allparteiliches Interesse. Er muss in der Lage sein Missverständnisse aufzudecken und bestehende Projektionen abzubauen, dabei muss er jedoch darauf achten die Toleranzgrenzen beider Partner zu wahren. Das Ziel des Therapeuten ist es, eine ausgewogene, klare und konstruktive Verständigung herzustellen, dies wirkt auf die Partner beruhigend. Problematisch ist dabei die Entwicklung von einer idealisierenden Übertragung auf den Therapeuten, sie vertrauen sich ihm an und erwarten Lösungsanregungen. Dieser starke suggestive Einfluss kann therapeutisch genutzt werden. Negative Übertragungsanteile zeigen sich nur in kurzen Sequenzen, werden sie vom Therapeuten positiv interpretiert wirkt sich das günstig auf eine dauerhafte therapeutische Beziehung aus.
Beziehungsschemata, die sich in der Kindheit gefestigt haben wirken reflexhaft in allen emotional belastenden Situationen. Befindet sich der Borderliner in einer Partnerschaft führt er entweder seine alte Rolle weiter, die im Umgang mit den Eltern entwickelt wurde, beispielsweise schlechte Behandlung zu ertragen oder zu ignorieren, oder er wechselt in die frühere Elternrolle, indem er den Partner zurückweist, beleidigt oder anfährt, auf die gleiche Art und Weise, wie er es früher von den Eltern erfahren hat. Diese Ereignisse werden von dem Therapeuten auf Kindheitserfahrungen zurückgeführt. Die Fortsetzung der alten Beziehungsmuster wird als Loyalität gegenüber den Eltern interpretiert (Weiss & Sampson 1986), und als Ausdruck der kindlich verhafteten Position, welche jedoch zugunsten neuer individueller Beziehungsvorstellungen aufgegeben werden können (Fürstenau, 1992). Vorraussetzung dafür ist die Mobilisierung von Ressourcen. Der Therapeut sollte sich den pathologischen Beziehungsmustern gegenüber nicht verurteilend verhalten, sondern verständnisvoll. Er spricht die Partner auf Ressourcen an und regt sie dazu an, diese für eine bessere Beziehungsgestaltung zu nutzen.
Das gleiche gilt für den Umgang mit projektiven Identifikationen vom Typ Konfliktentlastung (König, 1991). Der Therapeut respektiert die bestehende Entlastungsfunktion, spricht aber gleichzeitig auch andere Aspekte an. So regt er seine Patienten zum Nachdenken und Nachfühlen an. Außerdem muss der Therapeut darauf achten, das die inneren Bilder, die die Partner voneinander haben und die vermischt sind von Realitätswahrnehmungen und Projektionen, die realen Erfahrungen nicht völlig überdecken und verzerren. Um die Ich-Funktion zu korrigieren und weiter zu entwickeln ist das Feedback vom Partner und vom Therapeuten nach dem von Heigl-Evers entwickelten Prinzip der selektiven authentischen Antwort (Heigl-Evers & Henneberg-Mönch, 1985) wichtig.
Der Therapeut sollte nach folgendem Prinzip behandeln: so viel Ich- schützende Abwehr-Unterstützung wie nötig, so viel realitätsadäquate Bewältigungs-Förderung wie möglich (Steffens & Kächele, 1988). Vorraussetzung dafür ist, dass sich beide Partner auf einem arbeitsfähigen Ich-Funktionsnieveau befinden, auf dem Regeln bzgl. der Herstellung von Nähe und Distanz, Umgang mit positiver und negativer Emotionalität, Selbstdurchsetzung und Anpassung und Rhythmik von Aktivität und Passivität (Willi, 1975) ausgehandelt und ausprobiert werden können. Um dieses Arbeitsniveau aufrechtzuerhalten muss der Therapeut Schutz durch seine Art der Gesprächsführung, Anerkennung, Ressourcenherausarbeitung und Eingrenzung pathologischer Muster bieten.
In fast jeder Therapie kommt es zu einem Punkt, an dem die Partner völlig verzweifelt sind, überlegen die Therapie abzubrechen und sich der Therapeut ratlos fühlt. Dieses Ereignis deutet darauf hin, dass der Therapeut in die projektiven Identifikationen mit einbezogen wurde und die schützende Arbeitsbasis zusammengebrochen ist. Der Grund dafür ist oft, dass sich der Therapeut mit einem der Partner, meist dem „Opfer“, unterschwellig identifiziert und dadurch die Distanz zur Gesamtszene nicht mehr aufrecht erhalten werden kann. Diese kann jedoch wieder gewonnen werden.
Des Weiteren ist in der Therapie von Borderline-Paaren konkrete Hilfe zur Bewältigung bestehender Beziehungsprobleme notwendig. Die Partner müssen verstehen, wieso Eskalationen entstehen und wie sie schon während des Beginnens einer solchen aussteigen und anders miteinander umgehen können. Auf diese Weise gelingt es ihnen den Grund für anfallende Schwierigkeiten zur Hälfte in der eigenen Person und zur Hälfte in der des Partners zu finden. Um dies in der Praxis umzusetzen helfen vor allem Rituale, die Lösungswege in metaphorisch verschlüsselter Form angeben.
Z.B. könnte ein Paar, das lange Zeit keine Berührungen ausgetauscht hat, sich aber wieder danach sehnt, sich jeden Abend eine Viertelstunde nebeneinander auf die Couch setzen und sich schweigend aneinanderzulehnen. Ist diese Zeit um können sie sich wieder entfernen und den restlichen Abend nach ihren Wünschen verbringen.
Ein anderes Beispiel ist ein Paar, welches jeden Streit ausufern lässt, die Partner sollten sich abends ruhig hinsetzen und jeder bekommt abwechselnd 10 Minuten Zeit um wichtige Dinge des Tages mitzuteilen, während der andere schweigt. So bekommt jeder Partner die Chance sich mit zu teilen und gehört zu werden.
Mit Hilfe dieser Verhaltensverschreibungen werden etablierte Abwehrstrukturen irritiert und außer Kraft gesetzt, so dass Raum für neues Verhalten entsteht. Um die passenden Aufgaben für jeden Fall zu konstruieren, ist ein konkretes Verständnis des Problems notwendig.
2.6. Einblick in Paartherapie mit „Borderline-Persönlichkeiten“
Um einen konkreten Eindruck von der Arbeit in der Paartherapie mit Borderlinern zu bekommen, folgt ein Therapieausschnitt (Kottje-Birnbacher, 2000):
Frau B. und Herr C. sind beide 29 Jahre und haben das Problem, dass sie nicht richtig zusammen, jedoch auch nicht richtig getrennt leben können. Seit 8 Jahren sind sie befreundet und haben sich seitdem fünfmal getrennt. Frau B. denkt, dass Herr C. sich nicht für sie interessiert und Herr C. klagt über die ständigen Vorwürfe von Frau B.
Ziel der Therapie ist es nun die Interaktionszirkel mit den dahinter liegenden Phantasien, sowie Interpretationen des Verhaltens des Partners besser zu verstehen. Dies funktioniert mit Hilfe einer Imagination, in der die Beziehungssituation verfremdet wird und sich dadurch ihre Struktur verdeutlicht (Kottje-Birnbacher, 1982; 1984; 1993). In diesem Fall sollen sich die Partner vorstellen, wie es wäre, wenn sie sich als Kinder auf einem Spielplatz treffen würden:
Herr B. erzählt, dass er Frau C. allein im Sandkasten sitzen sehen würde. Er setzt sich zu ihr und fragt ob er mitspielen könne. Doch diese schaue ihn nur an, sage aber nichts. Daraufhin ist er sich unsicher, ob er mitspielen dürfe oder nicht. Frau C. erklärt sie habe fast dieselbe Vorstellung, nur vertauscht: Sie sitze spielend im Sandkasten und Herr B. komme auf sie zu, setzt sich jedoch in die andere Ecke. Er beachte sie nicht, dann komme sie auf ihn zu um mit ihm zu spielen, doch Herr C. ignoriere sie völlig. Daraufhin würde sie wütend, schütte ihm Sand über den Kopf und ziehe sich wieder zurück.
Jeder scheint den Eindruck zu haben, dass der Partner sich nicht sonderlich für ihn interessiert, während er selbst sich um die Aufmerksamkeit des anderen bemüht. Herr B. und Frau C. haben beide ein schwaches Selbstwertgefühl und projizieren aggressive, entwertende Gefühle in den Partner und nehmen selber nur das positive Bemühen um Kontakt wahr. Herr B. reagiert verunsichert bei Zurückweisung und zieht sich zurück und Frau C. wird wütend und greift an. Auf die Frage nach ähnlichen Verhaltensmustern aus ihrer Kindheit berichten die beiden von ihren Müttern:
Herrn B.`s Mutter fühlte sich zu wenig geliebt und erwartete, dass man ihre Wünsche erriet und erfüllte. Geschah dies nicht war sie beleidigt und drohte wegzugehen, dann war es zu spät für Liebesdienste. Da der Vater viel arbeitete, war Herr B. oft mit seiner Mutter allein.
Inzwischen verhält sich Herr B. teilweise so wie seine Mutter früher, die Art des Rückzugs, und zum Teil so, wie er selber früher als Kind reagierte, er stellt sich die Frage, ob Frau C. mit ihm zufrieden ist oder nicht. Manchmal wehrt er sich aber auch gegen seine alte Rolle, indem er sich weigert auf Wünsche von Frau C. einzugehen.
Der Vater von Frau C. war autoritär und ihre Mutter war Alkoholikerin, sie kümmerte sich nicht um ihre Töchter und war nur mit ihren eigenen Problemen beschäftigt. Frau C. bemutterte ihre Mutter und wurde von ihr beschimpft.
Jetzt verhält sie sich genauso bedürftig und aggressiv wie früher ihre Mutter und übernimmt ihre fürsorglich-selbstverleugnende Kinderrolle nicht mehr.
Beide Partner sind erstaunt, wie stark sie ihre Kindheitserfahrungen miteinander reaktivieren. Sie sollten überlegen, was momentan in ihrer Beziehung positiv ist und so ihre Aufmerksamkeit auf die Ressourcen zu lenken.
In der darauf folgenden Sitzung berichteten beide, dass ihre Beziehung in der Zwischenzeit ganz gut gelaufen ist. Sie haben wieder mehr gemeinsam unternommen. Bei einem Missverständnis nahmen sich beide zurück, damit daraus kein heftiger Krach entstehen konnte. Sie erzählen von sexuellen Schwierigkeiten, die seit Beginn der Beziehung bestehen: Frau C. beschwert sich, dass sie immer den Anfang machen müsse, er begehre sie nicht, sie fühle sich dadurch ungeliebt und bekomme keinen Orgasmus. Herr B. dagegen sagt, dass er nicht anfange, da er immer zurückgewiesen werde. Er fühle sich durch ihre Kritik verunsichert, aber versuche ihr trotzdem alles recht zu machen, daher fehle ihm oft die Lust. Herr B. sowie Frau C. fühlen sich sexuell insuffizient, da sie weder in der Lage sind ihren Partner zu erregen, noch zu befriedigen.
Dieses Muster entspricht auch den anderen Bereichen ihrer Beziehung: Jeder ist überzeugt sehr viel in die Beziehung zu investieren, doch der andere möge ihn nicht sonderlich. Um das festgefahrene Verhalten zu lockern, werden die beiden gebeten bis zum nächsten Termin in 14 Tagen nicht miteinander zu schlafen, sondern zweimal wöchentlich sexualtherapeutische Grundübungen (Kaplan, 1979) durchzuführen: sie sollen sich 30 Minuten lang gegenseitig schweigend streicheln, wobei der Aktive den Körper des Partners erforscht und verschiedene Berührungsarten erprobt. Während der Passive auf dem Bauch liegt und so Blickkontakt vermeidet. Er soll sich ganz auf seine Körperwahrnehmungen konzentrieren und spüren, was er gern mag und was nicht.
Herr B. ruft zwei Tage vor dem Termin seinen Therapeuten an und sagt das er die Beziehung beenden soll, er kommt jedoch noch zu der nächsten Sitzung. Dort erzählt Herr B. das er sich die ersten zehn Tage sehr gut mit Frau C. gefühlt hatte, dann fühlte er sich aber von ihr kritisiert und reagierte sehr verletzt, weil er sich vorher stark geöffnet hatte.
Durch die Übungen entstand zu viel Nähe, der Schutzwall war geschmolzen. Die Verletzbarkeit beider Partner wurde besprochen, ebenso wie die Notwendigkeit, sich zu schützen.
Beide Partner tragen Bedingungen zusammen, wo sie Rücksichtnahme des anderen benötigen, um die Beziehung weiter zu führen: Er erträgt Kritik von ihr nicht und sie fühlt sich schlecht, wenn sie nicht von ihm beachtet wird. Das Gespräch eskaliert darüber, wer den anderen durch sein Verhalten mehr verletzt. Beide betonen, dass sie stärker verletzt werden, als sie selber verletzen und beanspruchen Trost und Zuwendung.
Auf die gleiche Weise beanspruchten in ihrer Kindheit die Mütter Zuwendung, dabei war es ihnen egal, wie es anderen Familienmitgliedern ging. Der Therapeut gibt zu Bedenken, dass man die Zuwendung auch symmetrisch aufteilen könne, so dass es beiden Partnern gut ginge. Voraussetzung dafür seien Selbstschutz und Selbstfürsorge, aber auch Rücksichtnahme und Fürsorge gegenüber dem anderen. Nach der Problemklärung wird das Gespräch sofort auf die Problemlösung gelenkt.
In der nächsten Sitzung berichten sie, dass es ihnen besser ginge, auch sexuell. Ihnen sei klar geworden, dass sie sich liebten und zusammen bleiben wollten. Frau C. berichtet, dass Herr B. eine Außenbeziehung hat, was sie kränke und beunruhige. Sie hat Angst, dass er zu der anderen Frau zieht, wenn es ihm bei ihr nicht mehr gefällt. Die andere Frau stellt einen Schutzmechanismus zur Sicherung der Paarbeziehung von Herrn B. dar. Er fühlt sich nicht unerträglich abhängig von Frau C. da er einen möglichen Ersatz hat.
In der darauf folgenden Sitzung wird besprochen, wann sich die Partner Zeit füreinander nehmen und wann jeder seine eigenen Angelegenheiten erledigt. Sie will nicht hinten anstehen und nur Restzeit von ihm bekommen und er will sich um seine Sachen kümmern können, ohne Schuldgefühle haben zu müssen. Aus diesem Grund sind konkrete Vereinbarungen wichtig als Entlastung von projektiven Phantasien.
Die Partner haben Phantasien darüber, was der andere wohl will oder nicht, diese werden jedoch nicht auf ihren Realitätsgehalt hin überprüft. Sie steigern sich immer mehr in die Phantasien hinein und erreichen emotionale Ausnahmezustände, in denen sie am liebsten sofort ausziehen möchten. Sie gewöhnen sich an, diese Zustände auszuhalten und in der nächsten Therapiesitzung anzusprechen. Dieses Warten-Können ist ein wichtiger Schritt und stark von der Verfügbarkeit eines vertrauenswürdigen Therapeuten abhängig.
Zusätzlich sollten neue Arten des Umgangs miteinander in die Beziehung miteinbezogen werden. Dies passiert am besten durch Imaginationen.
Die Therapie von Herr B. und Frau C. umfasste 39 Stunden, die über einen Zeitraum von 3,5 Jahren verteilt waren.
In nahen Partnerschaften ist jeder verletzbar. Das „Borderline-Phänomen“ der unfusionierten Affekte, wie blanke Wut oder kalter Hass treten hervor, wenn die Beziehung bedroht wird und man vermutet, dass der andere die Partnerschaft beenden möchte.
Die Verletzlichkeiten werden in den Therapien mit Borderlinern besonders deutlich, um eine gemeinsame Arbeit zu ermöglichen, muss der Therapeut ausreichend Schutz und Sicherheit bieten. Nur durch Ruhe und Geduld ist eine befriedigende Regelung von Nähe- und Distanzwünschen, sowie einen angemessenen Umgang mit positiven und negativen Emotionen zu erreichen. Ziel ist es, eine zufrieden stellende Balance zwischen Selbstdurchsetzung und Anpassung herzustellen.
2.7. Medikamente
Um die Symptome der Borderline-Persönlichkeitsstörung zu lindern, werden in der Regel Medikamente verschrieben. Besonders Antidepressiva haben viele Nebenwirkungen, die die Partnerschaft negativ beeinflussen: sexuelle Funktionsstörungen, verminderte Libido, Orgasmusstörungen, Störung der Sexualfunktion, usw. Dazu zählen u.a. die Medikamente
Fluoextin, Trevilor, Cipramil, Seroxat, Cipralex, Zoloft und Zyprexa.
Depressionen gehören zu den typischen Symptomen von Borderline-Patienten. Sie verringern die Lust an der Sexualität. Durch Antidepressiva, werden zwar die Depressionen vermindert, doch die Nebenwirkungen bewirken bei vielen Patienten eine abgeschwächte Libido, einige sind sogar nicht mehr in der Lage Orgasmen zu erleben. Aus Scham werden diese Probleme selten in den Therapiesitzungen oder bei Ärzten angesprochen. Durch die Anonymität in Internetforen werden diese Tabuthemen dort häufig diskutiert. Betroffene merken, dass sie nicht allein mit ihren Problemen sind und werden in den Foren ermutigt mit dem zuständigen Therapeuten darüber zu reden.
Nicht selten fühlen sich die Borderline-Persönlichkeiten von ihren Partnern unter Druck gesetzt, da diese manchmal verständnislos reagieren und anzweifeln, dass die sexuellen Probleme durch die Medikamente verursacht werden. Sie fangen an die Liebe des Partners in Frage zu stellen. Oft erkundigen sich die Partner der Borderline-Patienten in Foren, ob die sexuellen Störungen wirklich durch die Medikamente verursacht werden können. Als letzter Ausweg werden manchmal Medikamente eigenhändig abgesetzt um den Partner nicht zu verlieren.
2.8. Borderliner und eigene Kinder
Wie in jeder Partnerschaft wird auch das Thema Kinder in Beziehungen mit bzw. zwischen Borderline-Persönlichkeiten diskutiert. Es wird empfohlen, dass Personen mit einer ausgeprägten Borderline-Störung vom Kinderwunsch absehen, solang die Krankheit nicht geheilt ist. Der Hauptgrund dafür ist, dass sie keine harmonische, enge Beziehung zu ihrem Kind aufbauen können. Bei Säuglingen und Kleinkindern macht sich das noch nicht so stark bemerkbar. Wenn jedoch das Kind anfängt selbständig zu handeln wird es problematisch, da es nicht ernst genommen, sondern ironisiert und verspottet wird. Nach der Tat versuchen die Eltern das wieder gut zu machen, dieses Verhalten schwankt in der Regel. Aus diesem Grund ist es für die Kinder schwer außerhalb der Familie Hilfe zu finden.
2.9. Beziehungsprobleme in Foren diskutiert
Das Internet ist für viele Borderline-Patienten sowie deren Angehörige ein wichtiger Platz um Informationen zu sammeln und Erfahrungen mit anderen Betroffenen auszutauschen. Durch die Anonymität, die das Internet bietet, werden auch sehr private Probleme besprochen. Es gibt zahlreiche Foren für Borderline-Persönlichkeiten, aber auch spezielle für deren Partner. Schnell wird klar, dass die Borderline-Persönlichkeitsstörung sich durch vielfältige Symptome äußert, sie müssen nicht alle zusammen auftreten. Jeder Borderliner hat individuelle Merkmale der Krankheit.
In den Foren, die sich direkt an Borderline-Patienten richten gibt es Unterpunkte wie Borderline allgemein, Liebe und Partnerschaft, Medikamente, Therapie, Beruf, DBT (Dialektisch-Behaviorale Therapie) und Kinder. Innerhalb dieser Themen können Betroffene von ihren Erfahrungen berichten, Fragen stellen und aktuelle Probleme diskutieren.
Besonders über das Thema Sexualität wird viel Rat gesucht, denn die Borderliner trauen sich nicht immer das Thema bei ihrem Therapeuten anzusprechen. Diese Schamgefühle sind im Internet deutlich reduziert, denn man ist anonym, außerdem redet man mit anderen Betroffenen und fühlt sich eher verstanden. Auch für Partner von Borderlinern können diese Foren hilfreich sein, sie lernen etwas über die Krankheit und erfahren wie andere Leute damit umgehen.
Ein immer wiederkehrendes Thema sind Trennungen, einige verarbeiten diese in Gedichten und veröffentlichen sie dann im Internet, damit sie anderen helfen:
Dich lieben zu dürfen war ein Geschenk
Zu kostbar um es in Worte fassen zu können
Von Dir geliebt zu werden war ein Traum
Viel zu wundervoll um wahr zu sein
Doch jetzt da er vor rüber ist
Erkenne ich das es Wirklichkeit war
Deine Liebe war das Licht in der Dunkelheit
Das mir auch die dunkelsten Stunden erhellte
Zu einem Tag voll warmen Sonnenscheins
Er war Kraft und Stütze meines Lebens
Wenn alles um mich herum zusammenbrach
Warst Du da um mich in deine Arme zu schließen
um mich zu halten das ich nicht falle
mit Deiner endlosen Liebe
Vielleicht musste ich erst alles verlieren
Um zu verstehen was ich wundervolles hatte
Vielleicht habe ich die einzige Chance vertan
Um mit Dir glücklich zu sein
Doch vielleicht ist es auch eine Lehre für mich
Zu begreifen welch Glück mir beschert war
Um Dir mit neuen Respekt zu begegnen
Um uns eine Zukunft zu ermöglichen
In meinen Träumen stehst Du mir noch bei
An meiner Seite und ich liege in Deinen Armen
Doch es sind Träume aus denen ich erwache
Jeden Morgen die nicht Realität sind
Von denen ich hoffe das sie es werden
Um das Glück das Du gesucht hast
Für uns beide wahr zu machen
Um mit Dir glücklich zu werden
Ich habe Angst Dich los zu lassen
Um Dich wieder in die Arme nehmen zu können
Angst Dich nicht mehr zu lieben
Angst dieses Glück nicht wieder zu fühlen
Das ich mit Dir zusammen fühlte
Ich verzehre mich nach Dir und träume von dem Tag
An dem Du mich wieder lieben kannst
An dem wir uns wieder lieben können
Gedichte helfen auch dem Verfasser sich über seine eigenen Gefühle klar zu werden, diese zu ordnen und zu Verarbeiten. Durch die heftigen wechselhaften Affekte und Stimmungen, fühlen sich die Borderliner oft hin und her gerissen, sie wissen selber nicht was sie wollen und versuchen sich ihre Gefühle mit Hilfe von Poesie zu verdeutlichen. Gedichte sind ebenfalls eine gute Möglichkeit dem Partner seine eigene Gefühlswelt zu offenbaren. Aus diesem Grund findet man im Internet zahlreiche Gedichte von Borderline-Persönlichkeiten zu verschiedenen Themen.
2.10. Trennung von einer Borderline-Persönlichkeit
Geht man als gesunder Mensch eine Beziehung mit einem Borderline-Patienten ein, weiß man oft nicht, worauf man sich einlässt. Im Internet gibt es viele Informationen über den Umgang mit dem mentalen und physischen Missbrauch der gesunden Partner, der durch die Borderline-Störung entstehen kann. Auch die Trennungen verlaufen selten einfach und in friedlicher Einigung, oft entstehen heftige Trennungskriege. Hat der gesunde Partner den Entschluss gefasst sich zu trennen, sollte er einige Dinge berücksichtigen:
2.10.1. Zu beachtende Aspekte bei der Trennung
1) Durch die Stimmungswechsel des Borderline-Partners kann beim anderen die Hoffnung entstehen, dass alles wieder so gut wie zum Anfang wird. Doch es wird immer wieder schlechte Phasen geben, die auf die guten folgen. Bis schließlich die schlechten Phasen dominieren.
2) Der gesunde Partner wird durch das wechselhafte Verhalten des Borderline-Partners verwirrt, dies schränkt das klare Denken ein und verursacht Stress. Daher sollte man Ratschläge von Freunden und Familienangehörigen genau überdenken, da diese meist einen klareren Blick auf die Beziehung haben. Es ist auch möglich als gesunder Partner therapeutische Hilfe zu suchen um das Verhalten des Kranken zu verstehen.
3) Aus Angst vor dem Alleinsein schotten viele Borderliner ihre Partner von dessen Freunden und Familie ab. Dadurch wird der Beziehung zuviel Bedeutung beigemessen und der gesunde Partner scheut vor einer Trennung zurück, da er sich isoliert und ausgegrenzt fühlt. Als Partner sollte man den Kontakt zu seinem Freundeskreis auf jeden Fall aufrecht
erhalten.
4) Oft haben die gesunden Partner Skrupel den Borderline-Patienten zu verlassen und bleiben bei ihm um ihm zu helfen. Doch solang der Kranke keine Hilfe akzeptieren will, hat dies keinen Sinn. Er muss von sich aus Hilfe in Form einer Therapie suchen.
5) Die Anwesenheit eines Partners kann die Borderline-Persönlickeitsstörung vorübergehend verschlimmern, der Borderline-Partner kann sich beispielsweise durch seine wechselnden Gefühle von Nähe und Verlassenwerden überfordert fühlen.
6) Oft drohen die Borderline-Patienten mit Suizid, um sich vor dem Verlassenwerden zu schützen. In diesem Fall sollte sich der Partner an die Polizei und den eventuell praktizierenden Therapeuten wenden, da er nicht die Verantwortung für das Leben des Partners übernehmen kann.
7) Ein typisches Symptom der Borderline-Persönlichkeitsstörung sind die Selbstverletzungen. Die Kranken schneiden sich oder verstümmeln ihren Körper auf eine andere Art und Weise um ihren inneren Schmerz und Spannungen auszuhalten und abzubauen. Sobald der Partner dies mitbekommt, sollte er den zuständigen Therapeuten oder Arzt informieren.
8) Der gesunde Partner sollte stets auf eine Notsituation vorbereitet sein und wichtige Unterlagen, sowie Geld griffbereit haben. Außerdem sollte er wissen wo er sicher unterkommen kann. Körperlichen Missbrauch darf man auf keinen Fall tolerieren, auch nicht die Androhung dessen.
2.10.2.Leitfaden
Ist man sich sicher, das man seinen Borderline-Partner verlassen will, sollte man sich vorher einige Gedanken machen und Vorkehrungen treffen, jedoch auf keinen Fall überstürzt handeln. Man sollte beispielsweise mit einem Therapeuten reden um den eigenen emotionalen Missbrauch verarbeiten zu können. Zusätzlich ist es günstig dem Therapeuten des Partners von der bevorstehenden Trennung zu informieren, dieser kann den Partner um Vorfeld auf das Ereignis vorbereiten.
Viele Borderline-Partner fühlen sich gekränkt, wenn sie verlassen werden. Sie neigen dazu Hetzkampagnen gegen den ehemaligen Partner zu starten. Dies kann sogar soweit gehen, dass sie die Polizei informieren. Daher sollte der gesunde Partner im Vorfeld der Polizei vom geplanten Auszug bescheid geben. In extremen Situationen wird geraten um Polizeischutz während des Auszugs zu bitten. Denn Borderliner sind sehr empfindlich, was das Alleingelassen werden betrifft und neigen zu heftigen Gegenreaktionen. So sind Drohungen mit Suizid oder Gewalt gegenüber dem Partner und seinen Wertsachen keine Seltenheit.
Um die Trennung endgültig zu machen, sollte man dem Borderline-Partner weder die neue Adresse, noch die Telefonnummer hinterlassen.
2.10.3. Probleme nach der Trennung
Hat der gesunde Partner in der Beziehung mit einem Borderliner viel Negatives erlebt, leidet er nach der Trennung oft unter Angst und innerer Spannung. In seltenen Fällen kann der Partner sogar eine posttraumatischen Belastungsstörung ( PTBS) entwickeln. Dies ist eine emotionale Störung, die durch ein extremes psychisches Trauma verursacht wird und die individuellen Bewältigungsstrategien der betroffenen Person überfordert. Symptome dieser Störung sind Albträume, Schlafstörungen und Flashbacks der traumatisierenden Situationen. Beim Auftreten bestimmter persönlicher Auslöser, die akustisch, visuell, olfaktorisch oder taktil sein können, treten starke Gefühle von Angst oder Panik auf. Daher wird empfohlen als Partner bzw. ehemaliger Partner eines Borderliners sich in therapeutische Behandlung zu begeben. Dadurch, dass man den Kontakt zu der Borderline-Persönlichkeit endgültig abbricht, schützt man sich vor dem so genannten Stalking. Einige verlassene und gekränkte Borderliner akzeptieren die Trennung nicht und verfolgen ihren ehemaligen Partner. Stalker belästigen ihre Ex-Parter z.B. mit häufigen Telefonanrufen oder SMS, Briefe, E-Mails, penetrante Aufenthalte in der Nähe, Verfolgungen, unerwünschte Geschenke, Eindingen in die Wohnung oder Zerstören von Eigentum. Als Motivation für das Stalking wird ein Gefühl der Demütigung und Zurückweisung vermutet. Auch in diesem Fall sollte man sich an seinen Therapeuten und die Polizei wenden.
3. Fazit
Zwischenmenschliche Beziehungen von Borderline-Persönlichkeiten sind meist höchst instabil, sie werden oft auch als stabil-instabil bezeichnet, was mit dem gestörten Selbstbild zusammenhängt. Auch bei intensiven emotionalen Bindungen findet in der Anfangsphase eine Idealisierung des Partners statt, worauf eine Abwertung folgt. Dabei schwanken die Borderliner zwischen Vorwürfen und Klammerverhalten.
Durch die vielfältigen Symptome der Borderline-Persönlichkeitsstörung sollten Probleme in der Beziehung mit einem Therapeuten besprochen werden. Dieser wird kann dann in einer längerfristigen Therapie Lösungswege finden um die Beziehung zu verbessern. Aber auch Borderliner, die sich nicht in Therapie befinden, haben Wege entwickelt um mit ihrer Krankheit umzugehen. Sie halten beispielsweise ihre Partner emotional auf Distanz, so dass sie nicht von ihm verletzt werden können. Durch professionelle Hilfe sind auch Borderline-Persönlichkeiten dazu in der Lage eine glückliche und erfüllende dauerhafte Beziehung zu führen.
Quellenangabe:
Bücher
Otto F. Kernberg, Birger Dulz, Ulrich Sachsse; Handbuch der Borderline-Störung; Schattauer; 2000
Nicole Deck; Ich schwimme ins Leben; 2. Auflage; Zytglogge; 1999
Jerold J. Kreisman, Hal Straus; Ich hasse dich, verlaß` mich nicht. Die schwarzweiße Welt der Borderline-Persönlichkeit; 16. Auflage; Kösel; 2005
Internet
http://de.wikipedia.org/wiki/Borderline
http://www.bc-mailingliste.de/forum/
http://www.borderline-plattform.de/
http://www.innovations-report.de/html/berichte/medizin_gesundheit/bericht-771.html
http://www.borderline-partner.de/leave.html
http://www.psychotherapiepraxis.at/art/borderline/borderline.phtml
http://www.borderline-partner.de/leave.html
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Aktualisiert (Montag, 30. Januar 2012 um 10:20 Uhr)
